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Normalweg

Historisches:
Die Besteigung dieses außerordentlich formschönen Berges (eines der 7 Wunder der Dauphiné) im Jahr 1492 durch den Söldnerführer Antoine de Ville und seiner Gefolgsleute im Auftrag Karl VIII. von Frankreich gilt als die Geburtsstunde des Felskletterns überhaupt. Wer den Weg - immerhin III. Schwierigkeitsgrad - durchsteigt, kann wohl ermessen, daß es trotz der Verwendung künstlicher Hilfsmittel einer sportlichen Glanzleistung bedurfte, um in jener Zeit den Gipfel in Auf- und Abstieg zu meistern. Reinhold Messner würdigt anläßlich des 500. Jubiläums der Besteigung diese Leistung:
R. Messner, "Bergsteiger" 6/92

Lage/Zufahrt:
Im Vercors-Gebirge (auch den Dauphiné-Alpen zugerechnet) ca. 30 km südlich von Grenoble. Auf der N 75 von Grenoble entweder bis Monestier de Clermont und dann über Gresse und den Paß Col de l'Allimas (herrlicher Blick auf den Mont Aiguille) oder von Monestier noch 9 km weiter bis zur Abzweigung rechts nach St. Michel les Portes und Les Pellas.


Einschätzung:
Seit ich diesen Traumberg des Vercors 1991 das 1. Mal sah, stand fest: Da mußt du hinauf! Aber bis zur Realisierung sollte noch einige Zeit vergehen. Der Sommer '98 brachte die ersehnte Gelegenheit. Zum Treffen mit Freunden am Gardasee fuhr ich einen "kleinen Umweg". Ich kam mittags in Les Pellas an, nachdem ich zuvor bereits vom Paß Col de l'Allimas den Berg bewundert hatte. Bei einer ersten Erkundungstour wanderte ich bis zum Einstieg. Diese Ortskenntnis ermöglichte es mir nach der Übernachtung im Auto am Bach bei Les Pellas, noch im Dunklen die Tour zu beginnen. Dennoch war ich nicht als erster am Einstieg, da einige am Col de lŽAupet biwakiert hatten. So kam es, daß ich im oberen Teil meine Kletterlust etwas zügeln mußte, um nicht in die Steinschlag-Schußlinie der Vorgänger zu geraten. Das aber tat der Freude am Klettern keinen Abbruch. Die Tour ist auch als Solist ganz gut begehbar. An exponierteren Stellen kann man sich klettersteigmäßig absichern. Wenn Kinder auf diesem Gebiet einige Erfahrungen mitbringen und selbständig abseilen können, ist die Tour auch für sie geeignet. Der Gipfel - eine einzige große Blumenwiese - lädt mit seiner Aussicht zum längeren Verweilen ein. Für den Abstieg sollten die Hinweise s. u. unbedingt beachtet werden.

Zugang (ca. 2 Std.):
Von der Brücke les Pellas großen, markierten Weg (kl. gelber Streifen) immer bergan in Richtung Sattel Col de lŽAupet (re. vom Mt. Aiguille). Dabei nicht von roten Forstmarkierungen irritieren lassen. Falsche Abzweigungen sind meist mit gelbem Kreuz gekennzeichnet. Nach Abzweigung eines Weges nach rechts in Richtung Gresse (Wegweiser) wird der Weg sehr steil. Bald gibt es eine Wasserstelle, wo eine ausgehöhlte Baumhälfte das Wasser direkt über den Weg leitet - hier evtl. Flaschen füllen, später keine weitere Möglichkeit. Nach weiterem Anstieg teilt sich der Weg, wobei der mit gelbem Kreuz gekennzeichnete rechte Abzweig direkt zum Col führt (steil, bei feuchtem Boden sehr glitschig). Bequemer führt der linke Abzweig in großem Zickzack unter dem Mont Aiguille direkt zum gr. Geröllfeld unter der Einstiegswand. Der Normalaufstieg steigt links von großem Gendarm bei Absatz mit gr. Haken ein - nicht bei Gedenktafel (hier beginnt Aufstieg Les Tubulaires bzw. endet der Abstieg nach der Abseilpiste)!

Hinweis:
Der Sattel Col de lŽAupet ist auch von Süden (Abzweigen in Clelles) über den Ort Richardière erreichbar.


Normalweg:
PD - ca. II-III. Zeit ca. 1,5 h. 1492 (!!!) erstbegangen. Überall gr. Haken an Standplätzen, oft Zwischenhaken (z. T. Bohrhaken). 2 lange und 1 kurze Passage mit Stahlseilen gesichert. Bei Seilschaften davor Vorsicht vor Steinschlag - Helm!
Einstieg: Links von großem Gendarm zu Absatz mit großem Haken. Linkshaltend ca. 10 m über Absätze bis unter Überhang, dann rechts zu Spalt und auf Absatz (H). Kurz links queren zu Kamin, diesen zu Band (H). Rechts queren und an Spalt (BH) hoch zu nächstem Band (H). Etwas rechts abgsteigen zu beginnenden Stahlseilen. An diesen rechts aufwärts bis in Scharte hinter großem Gendarm. Nun kurz absteigen in Schlucht, diese überqueren und gerade (H), später etwas links (H), dann wieder rechts Steilstufe (BH) und schräg rechts auf großes Band. Auf diesem nach rechts bis zu Ende. An mehreren großen Haken vorbei 8 m hoch zu nächstem Band. Auf diesem an Stahlseil nach links um die Ecke. Dann weiter auf Band nach links zu einsetzender Gipfelschlucht. Stufe empor und weiter zu beginnendem Stahlseil. Die Gipfelschlucht direkt weiter zum Ausstieg auf die Gipfelfläche.


Abstieg:
über Normalweg nicht günstig wegen folgender Seilschaften - Steinschlag!
Besser (2 x 45-m-Seil Pflicht!):
Vom Normalweg-Ausstieg weiter südwärts bis zu gr. Steinmann (darunter Gedenktafel 1492-1992). Hier Kamin absteigen oder abseilen (Haken vorh.) 15 m auf überwölbtes Band, im Sinne des Abstiegs rechts zu nächstem Haken, 15 m abseilen, nach links unter Überhang (H), 25 m abseilen in Geröllrinne (H), wieder abseilen oder (besser) absteigen über Pfadspuren ca. 80 m gerade hinab bis an Steilabbruch. Hier re. Haken oder (besser) noch 5 m tiefer zu Abseilkette links. 25 m abseilen und dann auf Band i. S. d. Abst. rechts zu gr. Abseilstelle (Ketten, Stahlseil) über Pfeiler. 45 m freie Abseile in Grund der Schlucht hinter Pfeiler. Rechts (H) nochmals 8 m abseilen, dann auf Pfadspuren nach rechts und 10 m abklettern zu Gedenktafel.
!!!Achtung!!! Nach Informationen des Bergfreundes Norman Jörns aus Erlangen wurden die Haken im oberen (leichteren) Teil des Abstiegs bis zum Steilabbruch entfernt, so dass hier nicht mehr oder nur an natürlichen Festpunkten abgeseilt werden kann!!!


Auch das gibt's: Skiabfahrt vom Mont Aiguille!